»Mozarts Geist aus Haydns Händen«, Florian Birsak, Giessenbachmühle/St. Nikola, 15. 8. 2008
Florian Birsak war für mich vor dem Konzert in der Gießenbachmühle kein Begriff, obwohl ich 2004 mit großem Vergnügen Harnoncourts hervorragende "King Arthur"-Aufführung aus Salzburg gesehen hatte, an der, wie ich im Programmheft las, Birsak als Studienleiter seinen wichtigen Teil beitrug. Nach dem Konzert in der Gießenbachmühle gehört er für mich zu den eindrucksvollsten Tastenvirtuosen, die ich je gehört habe – und das waren von Kempff über Michelangeli und Pollini bis Gilels und Richter viele der allergrößten. Birsak unterrichtet am Mozarteum in Salzburg und hat sich auf historische Tasteninstrumente spezialisiert: Clavichord, Cembalo und Hammerklavier. Auf einem ungefähr 25 Jahre alten Hammerflügel von bildschönem Klang spielte er diesmal ein Programm, das mit Mozarts bezaubernder Fantasie in c-Moll, KV 475, begann und mit Beethovens Klaviersonate in C-Dur, op. 2 Nr. 3, in die Pause ging. Vom ersten Ton an faszinierte die kultivierte Anschlagstechnik – das Pedal übrigens über Kniehebel zu betätigen –, die tiefsinnige musikalische Interpretation, ein zärtliches Feingefühl für die Stimmungen einer Komposition und perfekte Technik vom verhauchenden Adagio bis zum kraftvollen Dahinstürmen. Untrügliches Tempogefühl, emotionaler Reichtum und eine reichhaltige Palette dynamischer Farbschattierungen, die sich mit dem Reichtum der Natur, den unzähligen Grüntönen vor den Fenstern der Mühle, messen durften. Intensive Gestaltungskraft und perfekter Spannungsaufbau ließen die begeisterten Zuhörer bereits nach dem anfänglichen Allegro con brio von Beethovens Sonate applaudieren. Was man sonst als störend empfunden hätte, wirkte überzeugend als natürlicher Freudenüberschwang. Bei Mozart hätte man vielleicht über manche Notenwerte diskutieren können, aber nicht, wenn sie sich derart harmonisch in ein Gesamtkonzept einfügen.
Die regendräuenden Wolken bleiben Jahr für Jahr den Konzerten in der Gießenbachmühle treu, doch die Pausengetränke lieferten nur innere Befeuchtung, die äußere ergoss sich erst danach, als alle wieder im Trockenen sitzend Haydns kurzer Sonate in D-Dur, Hob. XVI/51, lauschten. Sie konnte mich als Komposition nicht faszinieren, umso mehr aber die abschließende Sonate in Es-Dur, op. 13, von Johann Nepomuk Hummel, Vollblutmusik mit hohem konzertanten Anspruch, immer wieder Beethovens Geist beschwörend, die melodiös perlenden Zauber zu einem derart stürmischen Finale entwickelte, dass die Begeisterung der Hörer zum Beifallssturm führte. Birsak schüttelte seine Finger aus und servierte ein erlesenes musikalisches Gustostück als Draufgabe: Hummels Klavierfassung des langsamen Satzes aus der Jupiter-Sinfonie. Ein memorabler Schlusspunkt für ein großartiges Konzert!
Franz Szabo